vorgeguckt: murmel murmel! zu gast in hannover … und im juni in hamburg.

Murmel Murmel. Murmel Murmel Murmel. Murrrmel Murrrmel Murrrmel. Murmel! Muahmäl! Morml. Mrml. Murmelmurmelmurmelmurmel. Murrmlmurrml. Murmel! Murmel! Murmel! Murmel! (…) Murrrrrmäl! Murmel – – – murmel murmel. Mmmmmurrrrmel. Murmel.

… seit ziemlich genau vier Jahren schon murmeln sich elf Spieler mit nur diesem einem Wort, einem Musiker und reichlich Akrobatik von der Volksbühne Berlin durch die Republik und darüber hinaus, wirbeln Dieter Roths Dada-Stück Murmel Murmel in der Regie von Lilalaunezappelphillipp Herbert Fritsch auf die Bühne und lassen allerorts, so hört man, recht angetane Zuschauer zurück.

Demnächst wird die Murmelei auch in Hamburg zu sehen sein und deswegen haben wir beim Gastspiel in Hannover schonmal vorgeguckt. Huah! Was für ein Spaß!

Murmel Murmel! (c) Thomas Aurin

Murmel Murmel! (c) Thomas Aurin

Am Anfang steht da nämlich gleich mal Schauspielhaus-Lieblings-Komödiant Bastian Reiber auf der Bühne, im schnöde-grauen Büroanzug, mit schick frisierter Lockenfrisur, zuppelt sich am Outfit herum und sagt: Na was? Murmel natürlich. Murmel murmel murmel murmel murmel murmel … undsoweiter. Anfangs wirkt dieser Text verständlicherweise eher nichtalltäglich, und auch Herr Reibers Büromensch muss sich hier noch einrichten, rückt sich unsicher den Anzug zurecht, ringt um Haltung, aber gewinnt zunehmend an Selbstvertrauen.

Und so stellt sich Spieler um Spieler vor, jeder mit seiner Murmel-Interpretation, bis irgendwann das ganze Ensemble im quietschbunten Bühnenportal steht und hastig übereinander murmelt. Unterstützt werden die dabei von wilder Marimbaphon-Elektronik-Musik, die Fritschs musikalischer Haus- und Hofmeister Ingo Günther mitunter mit-dirigierend und -murmelnd vom Orchestergraben aus auf die Bühne brettert. Und je öfter man das Murmel Murmel Murmel hört, desto weniger schräg findet man das, dient es doch einfach nur irgendwie als universelle, allseits verständliche Sprache in dieser bunten, seltsamen, schillernden Welt.

Murmel Murmel. (c) Thomas Aurin

Murmel Murmel Murmel! (c) Thomas Aurin

Seltsam ist sie wirklich, diese Welt, mit ihren bunten Sofitten, den 60er-Jahre-Kostümen (Victoria Behr), der schrägen Musik und den immer grimassierenden und sich zur Unmöglichkeit verrenkenden Schauspielern, die, jeder für sich, immer wieder versuchen, der Ensemble-Wirkung zu entgehen und jeweils einen eigenen kleinen Fokus an der Bühnenrampe zu bekommen – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Der beständig lachende Zuschauer muss sich dann manchmal fragen – lache ich über das da auf der Bühne oder über die seltsame menschliche Existenz, die ich hier gespiegelt zu sehen glaube? Ist dieser knallige Zirkus da vor mir nicht doch ein sehr sehr schönes Abbild unserer wirbelnden Welt? Wer weiß das schon, die Murmler jedenfalls murmeln weiter und hören nicht auf, immer noch eine Nummer drauf zu setzen, sich gegenseitig zu übertrumpfen oder sich das ein oder andere Schnippchen zu schlagen.

Und obwohl das alles so lustig ist, wird es doch auch irgendwann beklemmend, nämlich wenn es den Punkt überschreitet, an dem auch mal genug wäre. Das geht einfach immer weiter und der Zuschauer fühlt sich zunehmend wie auf einem bunten Drogentrip: Erst veranstaltet das Bühnenbild verwirrende Sachen, dann springen die Spieler in Ballettröckchen und knalligen Ganzkörperanzügen über die Bühne und – murmeln natürlich. Murmeln murmeln murmeln in allen Variationen.

Verrenkungen, Akrobatik, Grimassen, Geschrei, Ideenreichtum und genaues Timing – den Schauspielern bei ihrer Arbeit zuzuschauen ist ein wahres Fest und allein deswegen müsste man eigentlich nochmal wiederkommen, denn bei der ständigen Reizüberflutung, mit der man hier konfrontiert ist, schafft man es gar nicht, jeden Spieler einzeln zu beobachten obwohl man doch so gern würde. Da kommt immer wieder ein anderer in den Fokus gehüpft und lenkt vom vorigen ab; und während man diesen wieder in der wildwabernden Gruppe zu entdecken hofft, kommt schon der nächste angeschlittert. Und immer so weiter, immer so weiter.

Irgendwann schmerzt der Bauch vom Lachen und die Tränen stehen in den Augen und also ist das Ende (von dem wir gar nicht mehr wissen, woher es dann so plötzlich kam) erlösend und traurig gleichermaßen. Wie, und jetzt wieder zurück in die normale Welt? Neeeiiiiin …. während der typisch-Fritsch choreografierten Applausordnung wird nochmal kräftig gemeinsam mit den Zuschauern gemurmelt, die besten Nummern noch einmal angespielt, geklatscht und gejubelt. Der Saal tobt und der Kopf braust.

Und dann? Leicht verstört und ziemlich überdreht wanken wir zum Bahnhof und wollen uns gar nicht vorstellen, wie es jetzt den Schauspielern gehen muss. Hat dieser Abend wirklich stattgefunden oder hat man den geträumt? Herausfinden werden wir das unbedingt Ende Juni im Schauspielhaus. Murmel!


»MurmelMurmel nach Dieter Roth
Regie: Herbert Fritsch
Es spielen: Florian Anderer, Matthias Buss, Werner Eng, Ingo Günther, Jonas Hien, Simon Jensen, Wolfram Koch, Annika Meier, Anne Ratte-Polle, Bastian Reiber, Stefan Staudinger, Axel Wandtke

Vorstellungen in Hamburg: 25., 26. 6., »Deutsches SchauSpielHaus