wenn nichts passiert, ist die luft zu dick
schauspielerIn sein!
im gespräch mit wolfram koch

SchauspielerIn sein! Was hatte man nicht für Bilder im Kopf, damals: Einmal entdeckt geht es auf die roten Teppiche dieser Welt – jubelnde Massen, endlich die Anerkennung, die einem gebührt, Talent und Schönheit der Welt entgegenwerfen, den Menschen Lachen ins Gesicht und Liebe ins Herz zaubern, kurz: die Welt retten. Oder so.
Was dran ist am Ideal und wie sich der Alltag des Schauspieler-Seins dann tatsächlich anfühlt, dem wollen wir in dieser Reihe auf den Grund gehen.

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Diesmal haben wir uns mit Wolfram Koch getroffen – im Theater kennt man ihn vor allem aus der Gotscheff- und Fritsch-Theaterfamilie, dem breiteren Publikum bekannt wurde er spätestens durch seine Rolle als Kommissar Paul Brix im Frankfurter Tatort.
In den Hamburger Kammerspielen hat er Anfang November seinen Solo-Abend „Ich bins deine Mutter“ gezeigt, eine Collage aus Texten von Einar Schleef. Zwischen Probe und Vorstellung erzählte er uns von seinem Schauspieleralltag: Proben, Zugfahren, Tatort, (Theater-)Familie, Burnout, Glitzerglamour, Theaterkantinen und vieles mehr und nahezu ungekürzt präsentieren wir euch diesen schwer sympathischen assoziativen Redeschwall, dem zuzuhören eine helle Freude war.

reihesiebenmitte: Wie lange bist du schon im Geschäft und wie bist du zum Schauspieler geworden?

Wolfram Koch: Seit ich 11 Jahre alt bin. Jetzt bin ich 54. Mein Erstengagement war mit 22. Ich bin in Frankreich großgeworden und dann, als ich sechs Jahre alt war, mit meinen Eltern nach Bonn gezogen.

In Bonn gab es ein Jugendtheater, wo Kinderrollen mit Kindern und die Erwachsenenrollen mit Schauspielern besetzt wurden. Ich hab mich erst nicht getraut, aber meine Schwester hat mich ermutigt. Ich bin hingegangen und die haben mich genommen. Ich hab während meiner Schulzeit ständig Theater gespielt, bin also quasi damit aufgewachsen, obwohl ich überhaupt nicht aus einer Künstlerfamilie komme.

Ich hab neben der Schule jeden Tag Theater geprobt; am Wochenende dreimal, manchmal viermal gespielt; einmal die Woche musste ich vormittags in der Schule auch fehlen. Wenn ich dann schlechter wurde, wurde mir wieder das Theaterspielen verboten. Aber so war die Entscheidung, Schauspieler zu werden, relativ unspektakulär – das ist wie eine Bäckerlehre – der Bäcker hat seine Lehre gemacht und bäckt weiter, für mich war es selbstverständlich, dass ich weiter spiele, das hat sich einfach so ergeben. Das ging dann nahtlos mit Schauspielschule weiter, da war ich dann aber nicht so lange – war zwar auch sehr spannend aber nicht unbedingt mein Ding. Ich hatte schon zu viel gespielt, war schon zu sehr in der Praxis; ich mach lieber learning by doing, lieber Risiko und vor den Leuten auf die Schnauze fallen. Ich mag den abgesicherten Modus nicht so gern. Man probte da vor sich hin und hat sich auch kritisiert und spielte auch vor den anderen Schülern, aber es ging nicht um einen Auftritt. Live ist’s zwar auch hart – wenn man vor den Leuten scheitert, ist das natürlich schwierig, aber das macht einen nur denkend.

Beckett sagte: Scheitern, nochmal scheitern, besser scheitern – so halte ich das ein bisschen. Fail, fail again, fail better.

Wolfram Koch in "Ich bins deine Mutter" © Ruhrfestspiele Recklinghausen/Reiner Kruse

Wolfram Koch spielt Einar Schleef © Ruhrfestspiele Recklinghausen/Reiner Kruse

Wie viele Rollen, wie viele Produktionen hast du jetzt grad so im Kopf?

Zwölf. Einige davon weiß ich sofort auswendig. Die Produktionen, die ich lange spiele, kommen in einer Sekunde wieder. Bei denen, die ich noch nicht so lange spiele, muss ich richtig arbeiten.

An der Volksbühne hab ich drei, vielleicht vier wenn wir Ivanov nochmal aufnehmen, dann hab ich die Physiker in Zürich, die Nashörner, Calderón, dann hab ich Beckett, nochmal Beckett überlegt … Heiner Müller, Was ihr wollt, … und noch was. Plus Fernsehsachen. Und zweimal im Jahr den Tatort für sechs Wochen.

Bekommst du Tatort und Theater gut zusammenorganisiert oder ist das schwierig?

Meine Bedingung beim Tatort war, dass ich neben den Dreharbeiten so ungefähr sechs, sieben Tage Theater spielen kann. Hätten die mir das nicht erlaubt, hätte ich gesagt: Danke Tatort, das war´s. Aber es ist echt super und macht Spaß. Das Team in Frankfurt hat eine wahnsinnig gute Redaktion, das sind die Mutigsten, die ich kenne, die trauen sich wenigstens was, die trauen sich extreme Stoffe. Jetzt haben wir zum Beispiel gerade einen Horrorfilm-Tatort gedreht.

Hörspiele und Hörbücher mach ich auch noch, da bin ich so reingerutscht, auch, um die Familie zu ernähren natürlich. Hab da mittlerweile schon an die fünfzig Dinger gemacht. Eigentlich mach ich alles, was so Spaß macht.

Wie sieht eine klassische Woche bei dir aus?

Ne klassische Woche?! schmunzelt Also, ich kann die letzten Tage erzählen: Ich hab mit Herbert Fritsch in Berlin geprobt, davor hatte ich fünf Wochen Horrorfilmtatort, meistens nachts. Dann war ich wie gesagt bei Herbert in den Proben, hab geprobt geprobt geprobt, parallel hatte ich abends Apokalypse, die haben wir auch noch an der Volksbühne, und die spanische Fliege. Dann hab ich geprobt geprobt geprobt; vorgestern war ich in Sangerhausen in Thüringen, da kommt Einar Schleef her. Die Schleef-Gemeinschaft hat uns eingeladen, da hab ich abends gespielt, bin früh morgens nach Berlin gefahren, hab mit Fritsch geprobt, bin gestern Abend nach Frankfurt, also nach Hause, und bin heute von Frankfurt hierher nach Hamburg gekommen.

Machst du auch mal Pause?

Ja, ich hab ’ne Bahncard 100, und im Zug ist so ein bisschen Nullzeit. Manchmal geht’s mir auch total auf die Nerven, weil die Züge immer so voll sind und immer verspätet, aber da sitz ich drin und da passiert erstmal ’ne Weile nix. Da schwebt so ein Ort durch die Zeit. Da kann ich auch richtig schlafen, ich bin ein guter Schläfer. Ein guter Zugschläfer.

Wie sieht’s mit Zeit für Familie und Freunde aus?

Das muss man … die Zeit hat man doch irgendwie … Freunde trifft man nach der Vorstellung, nach der Probe oder wenn man doch mal frei hat und für die Familie nehm ich mir den Luxus raus, dass ich im Sommer überhaupt nichts mache. Also so sieben, acht Wochen lang nichts. Und wenn ich den Tatort drehe, bin ich ja auch bei der Familie in Frankfurt. Ansonsten toure ich natürlich viel rum, das muss man dann alles irgendwie hinkriegen. Da fährt man dann eben auch mal für einen Abend nach Frankfurt, das ist dann auch schön so.

Es gibt so eine Regel bei Schauspielern: Entweder man hat nix zu tun oder zu viel.

Das ist leider immer so. Und über das ganze Spiel muss man gucken, dass man die Familie nicht vergisst. Dazu gehört natürlich eine Frau, die das mitmacht. Und sie will natürlich auch, dass ich Sachen mache, die mir gefallen. Wäre ich in Frankfurt geblieben und nicht auf Tour gegangen, dann wäre ich in der Konkursmasse vom vorvorigen Intendanten geblieben.

Also hast du das Theater gewechselt.

Ich hab mir die Lust immer bewahrt. Wenn ich merkte: jetzt wird’s unkreativ, jetzt wird’s scheiße, jetzt hab ich mit Arschlöchern zu tun – hab ich die Kurve gekratzt. Da hab ich einfach gesagt: Nee, keinen Bock.

Das hab ich mir rausgenommen, obwohl ich’s eigentlich nicht konnte. Aber ich hab gemerkt: ich langweile mich vor mir selber an einem Theater X. Also meinte ich: nö, ich geh jetzt zu Leander Haußmann, Jürgen Kruse und Dimiter Gotscheff nach Bochum. Das war die verrückteste Theaterzeit, die ich je hatte, davon profitiere ich jetzt noch. Und alle, die heute an den Theatern wie dem Thalia, Schauspielhaus und auch Volksbühne sind, die waren alle auch am Bochumer Theater. Das war ’ne wahnsinnig kreative Zeit und so muss es eigentlich sein. Das hat mich autonom gemacht.

Das Projekt heute hier – Ich bins deine Mutter – hab ich mit einem Assistenten von Dimiter Gotscheff gemacht. Irgendwann wollten wir mal zusammen arbeiten. Kein Theater wollte das produzieren, also haben wir uns im Theaterhaus Mitte in Berlin Räume für drei Euro am Tag gemietet. Und jetzt touren wir rum, jetzt gehört das uns. Allein auch für Schleef! Den kennt keine Sau mehr, das ist tragisch – ein genialer Autor! Die Texte sind fantastisch! Aus fünf Erzählungen haben wir einen Monolog gebastelt, alle Figuren bilden eine Art Mosaik und am Ende entsteht, wenn es gut läuft, ein Kosmos von Schleef.

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Programmzettelchen, vom Hauptdarsteller höchstselbst gezeichnet.

Gibt es als vielbeschäftiger Schauspieler die Gefahr des Ausbrennens?

Zum Glück hatte ich das überhaupt nicht, weil ich frei entscheide, was ich machen möchte und was nicht – ich glaube, das schützt. Das ist ein wahnsinniger Luxus und gibt einem extrem viel gute Laune. Klar muss ich Geld verdienen und die Familie ist da auch ein Motor, aber die Sachen, die ich mache, mach ich von Herzen und die sind mir nicht aufgezwungen. Ich geh da extrem nach der Nase oder nach dem Bauch. Und ich hab immer auf Personen gesetzt und nicht auf Orte. Mich hat Person X interessiert – Dimiter Gotscheff, Stefan Pucher, Jan Bosse, Jürgen Kruse oder Armin Petras zum Beispiel. Wäre Gotscheff nach Schlagmichweghausen gegangen, wäre ich mit ihm nach Schlagmichweghausen gegangen. Da hätte man sich dann irgendwie arrangiert und nebenbei noch paar Sachen gemacht um das Geld zusammenzukriegen. Aber ich hab’s immer personengebunden gemacht und diese ganzen Typen sind dann alle glücklicherweise in Berlin und Hamburg gelandet, also in den Großstädten. Wäre mir aber auch wurscht gewesen, da hätte ich voll dahinter gestanden.

Die klassische Theaterfamilie trägt dich also auch durch den Trubel.

Genau. Ich hab im Theater immer meine Familien gefunden und suche und finde sie auch immer weiter – toitoitoi. Das ist echt schön.

Wissen denn Schauspieler, wer sie sind oder flüchten sie sich in irgendwelche Rollen?

Weiß ein Bäcker, wer er ist?

Hm, keine Ahnung.

Eben. Deswegen antworte ich auch: keine Ahnung.

Erst einmal sind wir Spieler. Es wurden ja so Riesentheorien gemacht über sich-einfühlen und ich-bin-noch-in-der-Rolle und so aber das empfinde ich alles als totalen Schwachsinn. Klar muss man sich konzentrieren.

Klar muss man sich vorstellen, wie Richard III drauf ist oder ein Nazi oder ein Killer, ein Mörder oder ein Totalidiot – das machen aber Kinder im Sandkasten auch.

Im übertragenen Sinn. Das ganze ist ein Spiel und das finde ich hervorragend. Und dadurch, dass man spielt, kann man natürlich in diesem Beruf sehr sehr unterschiedliche Typen ausleben, ausloten, spielen, man kann unterschiedlich mit Aggression umgehen, man kann ganze Vulkane auf der Bühne losstarten, wenn man Lust dazu hat oder richtig böse sein.

Aber für mich ist es vorbei, sobald der Lappen – der Vorhang – zu ist. Ich bin keiner, der lange drüber redet, was toll oder nicht toll war an dem Abend. Wenn’s mal nicht gut lief, benennt man das natürlich, aber im Leben gibt es so viele tausend andere Sachen über die man sich unterhalten kann und – wer man ist – keine Ahnung. Im privaten Leben wissen wir glaub ich alle, wo wir mal doof waren und wo nicht … hmm … aber wer ich bin … vielleicht find ich’s raus, wenn ich den letzten Hauch abgebe, vielleicht dann auch noch nicht mal. Vielleicht will ich’s auch gar nicht wissen. Ich mach auch Theater damit ich mich nicht selber sehen muss, das ist ja wunderbar. Im Theater bin ich mein Selbstverwalter, muss mich aber selber nicht sehen. ‚Ne kleine Flucht ist das auf jeden Fall. Im Fernsehen ist das wieder anders. Und wer ich bin ergründe ich eben schrittweise.

Wie nimmst du das bei den Kollegen wahr?

Ich kenne einige Schauspielkollegen, die wirklich einen an der Waffel haben, aber ganz positiv – ich hab mit vielen Bekloppten zu tun und hänge mit den Spinnern rum, bin eigentlich immer mit den versoffenen Idioten, die gern dreckige Witze machen, unterwegs. Das ist so meine Welt. Und auf der Bühne klärt sich sowieso alles. Es klärt sich, wie einer ist, so im Zusammenspiel. Davor sagt der vielleicht: Ich bin so wahnsinnig interessant und so, und dann sieht man auf der Bühne: da ist gar nichts, das war nur Angst! Man merkt dann, wie ängstlich jemand ist, wie viele Betonschichten sich jemand in seiner Rolle um sich drumherum baut, um ja nicht „vom Seil zu stürzen“, wie wir das nennen, oder um ja nicht zu Scheitern.

Ich versuche, im Laufe meines Lebens poröser zu werden und das Risiko, jede Sekunde scheitern zu können, mit in mein schauspielerisches Programm reinzunehmen. Dann wird das Ganze eigentlich erst lustig. Es wird gefahrvoller für einen selber.

Ich will keine Perfektion. Vielleicht geht’s auch mal daneben, aber dann entsteht daraus was anderes. Ich lass mir Luft dazwischen, damit auch was Neues passieren kann. Wenn nichts passiert, ist die Luft zu dick. Und vielleicht geht’s schief, aber dann funktioniert was anderes. Oder auch nicht. lacht

Hast du mal überlegt, vom Schauspiel in die Regie zu gehen, wie das ja zum Beispiel auch Herbert Fritsch gemacht hat?

Vielleicht mal irgendwann, aber ich arbeite viel mit Regisseuren, bei denen ich viel Eigenregie führe, also selber auch Macht habe. Dann ist es eher eine Energie, die die mir geben. Bei so extremen Regisseuren bist du sowieso selbst wahnsinnig am Regieführen. Was noch lange nicht heißt, dass ich fähig wäre, die Regie für ein ganzes Stück zu machen.

Der Wunsch, Regie zu führen, entsteht ja bei Schauspielern auch oft aus einer gewissen Frustration oder auch Neugier heraus, selbst die Fäden in der Hand haben zu wollen.

Ja, und ich hab sie einfach in der Hand. Mit Gotscheff haben wir immer im besten Sinne miteinander gearbeitet. Da haben wir manche Teile auch einfach selber inszeniert und das ganz Große hat dann der Regisseur gemacht. Ich hab nicht das Bedürfnis nach diesem Großen. Mir langt das, was ich da treibe.

Wie lebt es sich denn in der berühmten Glitzerglamourwelt des Schauspielerdaseins? Gibt es die für dich?

Ein bisschen, ja. Dass die Leute einen vom Tatort her erkennen und dann groß angucken. Meistens freuen sie sich, dann wollen sie ein Foto machen oder ein Autogramm haben und dann sag ich: „Ja wenn Ihnen das was bringt, dann kriegen Sie das gern von mir.“ Ich finde das überhaupt nicht schlimm, es nervt mich nicht, mir ist es aber auch nicht so wichtig. Ich suhle mich da nicht drin. Aber wenn man Tatort macht, weiß man, dass einen die Leute irgendwann erkennen werden, das war mir also klar.

Wolfram Koch als Kommissar Paul Brix im neuen Frankfurter Tatort © © HR/Degeto/Bettina Müller

Am 18.12. gibt es den nächsten Tatort mit Wolfram Koch als Kommissar Paul Brix © HR/Degeto/Bettina Müller

Vorher hat dich keiner erkannt?

Nö. Also schon, so ab und zu. Die Leute gucken immer ein bisschen aber meistens wissen sie nicht, woher sie mich kennen und das ist ja auch ganz gut so. Aber es ist schon auch rührend und manchen Leuten gibt das was – dann mache ich denen auch die Freude.

Manchmal wird man auch in die Glitzerwelt eingeladen, aber ich geh selten zu solchen Veranstaltungen. Wenn ich hingehe, hab ich aber auch Spaß, da wird schön gefeiert. Manchmal ist die Glitzerrwelt unterhaltsam, manchmal wird’s auch wahnsinnig langweilig und dämlich. Aber ich bin überhaupt nicht abgeneigt. Und ich feiere gerne. Wenn ich dann ein paar alte Kollegen treffe, dann wird die Nacht zum Tag. grinst

Wie ist das im Theater, nach der Vorstellung, in den Theaterkneipen und Kantinen – wirst du da oft angesprochen?

Das gehört natürlich dazu, dass die Leute sich dann freuen und einen ansprechen, das ist ja auch gut so. Aber die sehen immer eine Person, gekoppelt mit einer Figur, sei es im Fernsehen oder sei es im Theater.

Ich nenne das immer Außen- und Innenpolitik. Die Außenpolitik ist das, was passiert, wenn der Vorhang aufgeht, wir spielen und so gut wie möglich sein wollen. 1000 Prozent. Funktionieren, Energie senden. Wenn die Leute dann in Kantinen kommen, finden das viele ganz toll. Manche sind aber auch enttäuscht, wenn sie die Innenpolitik sehen. Ich rede dort natürlich nie über interne Probleme, die wir beim Proben oder so haben oder darüber, was mit uns passiert oder wie wir arbeiten.

Mir hat mal ein alter Regisseur gesagt: Halt die Küchentür geschlossen. Zeig deine Trickkiste nicht. Wenn du spielst, zeig nicht, was du alles kannst. Virtuosität interessiert den Zuschauer drei Minuten – dann muss was anderes gemacht werden, das dahinter. Und deshalb sollen die Leute auch nicht alles von einem erfahren. Ein kleines Geheimnis ist immer gut. Und letztendlich sind wir Schauspieler doch schüchterne Menschen, auch wenn man das nicht glaubt. Wir haben die Bühne, da fühlen wir uns relativ aufgehoben, aber ansonsten sind wir schüchtern. Es ist gut, wenn man nicht alles über uns weiß.

Ich halte mich auch nicht für was Besseres, das weiß ich ganz bestimmt. Aber es gibt natürlich Kollegen, vor allem auch im Fernsehen, die sich so unheimlich wichtig vorkommen für ein paar Szenen oder Sätze, die sie spielen. Das finde ich sehr unangenehm. Aber wie gesagt: das klärt sich alles auf der Bühne. Die Spieler, die ich immer am geilsten fand, waren stinknormale, bescheidene Menschen.

Wann merkst du, dass deine Arbeit sinnvoll ist?

Am Kontostand? Grinst Die ist sinnvoll wenn ich merke, die Leute unten sind – … wenn ich beim Applaus in die Gesichter gucke. Oder während der Vorstellung, da hat man ja immer so einen Sensor. Und sinnvoll ist die Arbeit also, wenn die Leute in Spannung sind, wiederkommen. Wenn junge Leute, die eigentlich gewohnt sind, jede Sekunde das Programm zu wechseln, drei Stunden im Theater sitzen. Das finde ich sensationell. Da spielen Erwachsene Erwachsenen irgendwas vor. Wenn die ihm Theater hocken und Spaß haben, vielleicht können sie irgendwas … nur ’nen Geruch mitkriegen, vielleicht nur ’nen Geruch! Dann ist meine Arbeit sinnvoll.

Danke, Wolfram, für das Gespräch und deine Zeit!

War’s ok? Ja? War’s genug?


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