juhuuu: spielzeiteröffnung!

Es soll ja Menschen geben, die über den Sommer fast zu verkümmern drohen, weil manch Theater auch mal Pause machen muss.
Wie gut, dass nun der September naht und spätestens jetzt alle Häuser wieder ihre Pforten öffnen! Wir haben uns ein bisschen durch die aktuellen Spielpläne gelesen: viel Spaß beim Spielzeitstart-Vorguck.

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Das Thalia-Theater startet schon am 3. September mit einem »Konzert von Wolf Biermann & Pamela Biermann. Unter dem Motto „Demokratie feiern – demokratisch wählen!“ touren sie gemeinsam mit dem ZentralQuartett vor der Bundestagswahl durch die BRD, um für Wahlbeteiligung, Weltoffenheit und Toleranz zu werben. „Ein Konzert von Musikern, die der Unterdrückung und dem Gesinnungsterror in der DDR widerstanden haben,  zur Feier der Freiheit: wild wie der Free-Jazz, stimmenreich und im Zusammenspiel stark, wie nur die Demokratie.“, heißt es in der Ankündigung. Hin da!

Weiter geht´s dann am 8. September mit der Premiere von »Tartuffe in der Regie von Stefan Pucher. Molières Geschichte um den Betrüger Tartuffe, der sich lügenhaft fromm in die Familie Orgon einschleicht und sie von innen zersetzt, klingt schrecklich aktuell – die Hauptrolle spielt übrigens der wunderbare Jörg Pohl.

Nach dieser Premiere kommt dann am 11. und 12. September im Rahmen des Hamburger Theater Festivals die Schaubühne zu Besuch: Thomas Ostermeier hat Arthur Schnitzlers »Professor Bernhardi inszeniert.

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Im Uebel&Gefährlich startet am 5. September eine dreiteilige Performance-Reihe, die sich immer in der Nacht vor Vollmond mit dem weiblichen Hormonhaushalt beschäftigt und dem prämenstruellen Syndrom mithilfe von Musik, Installation und Tresenszenen huldigt: die »PMS-Lounge. Was das wird? Man weiß es nicht so genau, aber die nahezu ausufernd große Besetzung und der Trailer machen schonmal neugierig:

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Das Deutsche SchauSpielHaus startet am 15. September mit »Tartare Noir in der Regie von Intendantin Karin Beier. In dieser Groteske nach Motiven von Thomas Peckett Prest soll es um eine hübsch zivilisierte Hausgemeinschaft gehen, die sich immer mehr in gegenseitige Schuldzuweisungen verstrickt, um am Ende dann doch wieder eine Gemeinsamkeit zu finden. Oder doch nicht? Politisch wirds, und groß und atmosphärisch wirds wohl auch, wenn zwölf Spieler sich dem Mietshausuntergang entgegenspielen.

Seltsam, dass hinter dieser Wand, oder dieser hier, ein Mensch mit bösartigem Gesichtsausdruck sitzt. Man bräuchte nur ein Loch in die Wand zu bohren und schon sähe man diesen bösen, neidischen, Menschen, schon träfe einen sein böser, neidischer, Blick! Besser nicht daran denken!
– Tartare Noir

Zwei Tage später inszeninert der südafrikanische Regisseur und Autor Mpumelelo Paul Grootboom sein Stück »Die Nacht von St. Valentin im MalerSaal. Anhand eines mörderischen Kriminalfalles betrachtet er die verschiedenen Arten von Wahrheit, die je nach Mensch und Blickwinkel durch die Welt mäandern.

Die Nacht von St. Valentin (c)Kerstin Schomburg

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Am LICHTHOF Theater ist am 28. und 29. September bereits zum zweiten Mal Schauspieler und Regisseur Fabian Gerhardt vom Staatsschauspiel Dresden zu Gast. In seiner Inszenierung »Die Insel beschäftigt er sich mit der heutigen Sehnsucht nach Freiheit. Anfang Oktober dann die Premiere »STORM – DAS MEER – DIE GEISTER – DU!, bei der – anlässlich 200 Jahre Theodor Storm – sich ein bunt gemischter Sprechchor von dreißig Menschen zwischen 15 und 70 Jahren mit Leben und Werk des Husumer Dichters beschäftigt. Die Hauptrolle – Storm selbst also – spielt übrigens Wolfgang Häntsch.

STORM – DAS MEER – DIE GEISTER – DU! (c)G2-Baraniak

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Noch nicht genug? Natürlich nicht, es gibt ja viel zu viel zu gucken! Am Ernst-Deutsch-Theater läuft zum Beispiel bis Ende September George Orwells »1984, bevor es dann im Oktober von Ingmar Bergmanns »Szenen einer Ehe abgelöst wird; im Altonaer Theater wird ab dem 7. September Joachim Meyerhoffs Roman »Wann wird es endlich so, wie es nie war gezeigt, im monsun.theater sehen wir »Aufzeichnungen eines Querulanten und im Hamburger Sprechwerk gibt´s vom 14. bis 16. September wieder die »Hamburger Zaubernächte.

Und wem das alles immer noch nicht reicht und wer noch mehr Anregungen braucht, der möge einfach am 9. September zur »Hamburger Theaternacht gehen und sich mit den lustigen Theater-Shuttle-Bussen zu sämtlichen Bühnen der Stadt fahren lassen.

Auf eine schöne, bunte, anregende, neue Spielzeit!