endlich wieder theater! der september-vorguck.

Langsam aber sicher werden die Tage wieder kürzer, die Sonne verschwindet schneller hinter den Hafenkränen und der Mensch bereitet sich wohl oder übel darauf vor, nicht mehr ganz so viel Leben am Elbstrand zu verbringen, sondern zunehmend wieder Räume mit Dach, wenn nicht sogar mit Heizung, aufzusuchen.

Das hat aber auch positive Seiten. Zumindest eine: Die Spielzeit 2016/17 ist da! Die Theatermenschen erwachen aus ihrem Sommerschlaf und strecken die Glieder, um uns fortan einmal neu die Birnen durchzupusten. Was die ersten Wochen der neuen Spielzeit bringen, lest ihr hier.

spielzeit1617

Einen musikalischen Start liefert das Altonaer Theater schon am 24. August: Das Mikromusical » Auf alten Pfannen lernt man kochen beschreibt die Liebelei zweier Theatermenschen auf der Probebühne – oder so. Einen Tag später tobt am Ernst-Deutsch-Theater » Ein Maskenball, und zwar einen ganzen Monat lang fast durchgehend bis Ende September. In der Koproduktion mit dem Opernloft zeigt die schon zweimal mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnete Regisseurin Inken Rahardt mit fünf Opernsängern und drei Musikern „ein Verdi-Konzentrat im Hier und Heute“. Liebelei-Intrigen-Eifersuchts-Mordkomplott in Glitzerglanz-Atmosphäre – klingt doch nach einem super Einstieg in die Spielzeit.

Eine Woche später, am 2. September, gibt’s im Sprechwerk » Der Optimierte, inszeniert von Friederike Barthel. Um das perfekte Kind geht es da – der Sprössling aus der Retorte, manipuliertes Erbgut, Laborexperiment, das volle Programm. Können „normale Menschen“ mit Perfektion überhaupt umgehen? Oder muss Perfektion aus dem Weg geräumt werden? Und auf wessen Seite steht dann das Gesetz? Oder die Moral?

Um Moral geht es auch bei der Spielzeiteröffnung am Monsun Theater. Am 3. September beschäftigt sich das Varuma Teatro aus Sevilla mit moralischen Grundsätzen, versteckt in staubigen Lagerhallen. Dieser » Instante-Augenblick wird musikalisch-akrobatisch:

In den Kammerspielen gibt es ein Musical über Familie und psychische Krankheit (» Fast normal (next to normal), ab 4.9.) und  einen Soloabend über Freundschaft (» #Freundschaft, ab 7.9.). Das LICHTHOF Theater startet mit dem Gastspiel » Othello – I know I´m not the only one. Regisseur Fabian Gerhardt setzt Othello als „Teil eines weißen männlichen Machtapparats“ und Desdemona als die Fremde. Wie das aussieht, kann man am 8. und 9. September sehen. Umgedacht wird auch in der Thalia-Gaußstraße: Leonie Böhm inszeniert hier » Nathan die Weise nach Lessing, Premiere am 9. September.

Am 10. September weiß man wieder so gar nicht, wo man hingehen soll, tut dies aber mit größten Vergnügen: An der » Hamburger Theaternacht beteiligen sich dieses Jahr 36 (!) Bühnen. Also – Ticket gekauft und den ganzen Tag mit Shuttlebussen und frisch designten Theaterbechern (dieses Jahr: Imperialtheater-Intendant Frank Thannhäuser) in der Hand durch Hamburg düsen und Theater gucken.

Ab dem 11. September mäandert DDR-Luft durchs Altonaer Theater: Da feiert » Am kürzeren Ende der Sonnenallee Premiere, unter anderem besetzt mit Jasmin Wagner. Zwei Tage später beglückt uns Wolfram Koch in » Ich bins deine Mutter mit Texten von Einar Schleef in den Hamburger Kammerspielen.

Die Autorin Shumona Sinha wurde für ihren Roman » Erschlagt die Armen! mit dem internationalen Literaturpreis 2016 ausgezeichnet. Anne Lenk bringt die Geschichte um eine indisch-stämmige Dolmetscherin in einer Pariser Asylbehörde am 15. September im Thalia Gaußstraße zur Uraufführung. Um Widersprüche zwischen Gesellschaft und Individuum geht es am selben Abend auch am LICHTHOF Theater: Helge Schmidt inszeniert hier Horváths » Glaube Liebe Hoffnung als kleine Totentanz-Choreographie, besetzt mit David Kosel, Günter Schaupp und Laura Uhlig.

Glaube Liebe Hoffnung - ein kleiner Totentanz (c) Maren Janning

Glaube Liebe Hoffnung – ein kleiner Totentanz (c) Maren Janning

Im Sprechwerk toben anschließend ein ganzes Wochenende lang die » 6. Hamburger Zaubernächte: Die letzten Jahre immer ausverkauft und hochgelobt, werden sie wohl auch dieses Jahr wieder das Publikum be- und verzaubern. Am selben Wochenende eröffnen auch die großen Häuser ihre Pforten: » Wut/Rage in der Regie von Sebastian Nübling am 16.9. im Thalia Theater, Karin Beiers » Hysteria – Gespenster der Freiheit am 17.9. im Deutschen SchauSpielHaus. Im selben Haus, allerdings im MalerSaal, präsentiert ab 18.9.  Rimini Protokoll seine neue Produktion: » Brain Projects guckt vermutlich wieder sehr interaktiv, wie das menschliche Gehirn so funktioniert.

Am 24. September gastiert die Bühne Cipolla im Hamburger Puppentheater/Haus Flachsland und zeigt ihre sehr gelobte » Schachnovelle nach Stefan Zweig – Figurentheater für Erwachsene mit Livemusik.

Vorher kann man noch auf Kampnagel vorbeigucken: Da präsentieren 15 Schüler der Stadtteilschule Winterhude in » The dark side of Winterhude, was sie in den letzten Wochen zum Thema Dunkles-Fremdes-Unbekanntes erarbeitet haben. Am 28. September noch eine spannende Premiere in den Kammerspielen: Axel Schneider inszeniert » Place of Birth: Bergen-Belsen und beschäftigt sich mit der Geschichte von Jakob Weintraub, der als Sohn jüdischer Eltern, die nicht sofort die Genehmigung zur Ausreise bekamen, nach dem Krieg noch im Lager Bergen-Belsen geboren wurde.


Puh, jetzt aber nochmal tief durchatmen – der September wird ein Marathon!
Habt einen schönen, erhellenden, bereichernden Spielzeitstart! … und bis bald in diesem oder jenem Theater (-: