dies ist der tag! traumschlossbauerei à la don quijote & franzjakk in hamburg-bergedorf

Wenn franzjakk nicht diesen Blog hier schreibt, macht sie tausend andere Sachen – unter anderem auch eine Menge Theater und gerade einen zauberhaften Don Quijote mit Laienspielern in Hamburg-Bergedorf. Da ist die reihesieben-leipzig natürlich gucken gekommen …

Ritter ohne Furcht und Tadel © Clemens Voigt

Ritter ohne Furcht und Tadel © Clemens Voigt

Die acht Laienspieler, die aus dem Dunkel des Zuschauerraumes – also von mitten unter uns – die Bühne betreten und sich deren Mitte im Spot zusammenfinden, haben einiges auszusetzen an der Welt, wie wir sie kennen. Menschlichkeit wird vermisst, Gerechtigkeit sowieso und selbst das einander zu hören ist eine viel zu seltene Tugend geworden. Was es dagegen braucht, wissen sie direkt: Rittersleut – solche wie den Don Quijote von Cervantes mit Mitgefühl, Tapferkeit, Poesie und Demut. Und also brechen sie auf, den wahrhaftigen Ritter in sich zu finden.

Alles, was es dafür braucht sind eine self-made-Rüstung, einen klingenden Namen, ein Schwert, das hier auch gern ein Mop oder ein Ikea-Schuhanzieher sein darf, und – am wichtigsten – frischen Mut und Fantasie und eine große Liebe, die den tapferen Ritter durch alle Widrigkeiten trägt.

Dann geht’s auch schon los: Aus den Büchern, die sich im Gegenlicht auf der Bühne stapeln, werden die Cervantes’schen Geschichten lebendig – von Drachen, Prinzessinnen, zu befreienden Galeerenhäftlingen und schier unbezwingbaren Riesen. Abenteuer für Abenteuer steigert sich das Bühnengeschehen von fast schüchternem Erzählen zum furios gespielten Wettstreit um den Titel des besten, des tapfersten Ritters. Was macht es da schon, dass die Drachen eigentlich Windmühlen sind (die sich hier pappkartonflügelig und sehr poetisch drehen) und der Riese in Wahrheit aus den prallen Weinschläuchen des Wirtes besteht?

Jeder der acht bekommt seine eigene Erzählung: Vom Versuchen und Scheitern und wieder Versuchen. Von Fallen und wieder Aufrappeln. Jeder steht zudem mit einem ganzen, meist schon langen Leben, auf der Bühne, das ahnen lässt, dass das hier gerade beileibe nicht das erste und sicher nicht das letzte Abenteuer bestanden werden will. Und dabei ist es gerade die latent spürbare Unsicherheit der Laienspieler auf der Bühne, die ganz wunderbar zur Unbehausheit des Edlen Quijote in seinem selbstgewählten Ritterleben passt.

© Clemens Voigt

© Clemens Voigt

Das ist frisch, inspiriert und mutig gegen den Strich landläufiger Laienspielkonventionen erzählt. Mit viel Musik, sprödem Charme und feinen Lichstimmungen, mit Witz und reichlich Lust am Spiel. Und mit einer wunderbar überkandidelten Stimme aus dem Off (der Regisseurin höchstselbst gehörend), die erst zum großen Turniere um Ruhm und Ehre lockt und später die Abenteurer so lockerleicht wie unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückholen will:

Das sind doch nur Bücher, Büüüücher, das ist doch alles nur ausgedacht ..

Ist dem so? Leidet nicht, wer in der Realität nichts weiter als eben jene zu erkennen vermag, nur an einem ausgeprägten Mangel an Vorstellungskraft? Nicht so unsere Ritter! Es braucht ein bisschen, aber natürlich rappeln sich acht Quijotes nach diesem ernüchterndem Schlag wieder auf. Und sind am Ende stolz und beständig und beharrlich und treu und dazu mit ein paar feinen, bedenkenswerten Weltverschönerungsvorschlägen bewaffnet wieder da, wo der moderne Ritter am meisten gebraucht wird: mitten unter uns.


» Don Quijote oder die Suche nach dem modernen Ritter
Haus im Park der Körber-Stiftung, Hamburg Bergedorf
Regie, Musik und Video: Franziska Jakobi
Es spielen: Rita Bender, Peter Czikowski, Petra Demmin, Hannelore Grosch, Michael Juuls, Heiko Rothgenger, Katharina Splinter, Hannelore Tennigkeit-Cordshagen

Noch einmal: Dienstag, 21. März, 19 Uhr